Die Frostebene

Hierbei handelt es sich um eine Ebene von mehreren Meilen Durchmesser, die gänzlich mit tiefem Schnee bedeckt ist. Das seltsame ist, daß die Ebene inmitten eines Landstriches liegt, der warm und von Steppenvegetation bedeckt ist. Die Grenze zur Frostebene ist scharf, wie mit einem Lineal gezogen, und wirkt mehr als unwirklich. Wer die Grenze, die von einem leichten Flimmern in der Luft begleitet wird, überschreitet, tritt aus warmer Mittagssonne in frostigste Kälte; der Temperatursturz kann einen Schock auslösen.
Der Schnee in der Frostebene ist blendend weiß und mehrere Fuß tief. An manchen stellen kann sogar ein Troll bis weit über die Hüften einsinken. Es gibt gefährliche Gletscherspalten, die von hauchfeinem Eis verdeckt und einen unvorsichtigen Wanderer mehrere Meter tief in eisiges Dunkel stürzen lassen können. Je weiter man sich vom Rand der Ebene entfernt, desto kälter wird es. Es ragen immer wieder gewaltige Eissäulen aus dem Boden, die die bizarrsten Formen und Bögen annehmen können. Zum Zentrum der Ebene hin nehmen die Formationen immer mehr zu, bis sie ein fast undurchdringliches Labyrinth von Eis bilden. Der Wind wird hier kanalisiert und weht stark; er schleift die Kanten der Eisformen, so daß sie scharf und gefährlich im Licht der Sonne glänzen.
Niemand weiß, wie die Frostebene existieren kann. Sie muß durch eine fremde Art von Magie geschützt werden, auch wenn niemand ihren Ursprung kennt. Auch im Astralraum unterscheidet sich weder die Grenze noch die Frostebene selbst von der umgebenden Landschaft, außer, daß hier nichts wächst. Es ist weder ein Astralschild noch sonst eine magische Barriere zu erkennen. Interessanterweise können Luftschiffe nicht in die Frostebene eindringen. Wann immer sich ein Luftschiff der Ebene nähert, kommt ein starker, böiger Wind auf, der auch mächtige Vedetten in kurzer Zeit davon treibt. Dem Abenteurer bleibt nur der beschwerliche Fußmarsch, allerdings haben es bisher nur wenige gewagt, in die Ebene vorzudringen.

Der erfahrene Abenteurer Delairon Finn schreibt hierzu in seinem Tagebuch:
„Daß man es in der Frostebene aber mit Magie zu tun hat, ist offensichtlich. Kaum hat man die Grenze überschritten, scheint es, als stünde man inmitten einer weißen Schneebedeckten Ebene. Wenn man hinter sich blickt, sieht man weder die Grenzlinie noch den dahinter liegenden Rest der Welt. Der Himmel ist grauweiß, die Sonnenscheibe scheint trüb und hinter einem Wolkenschleier verborgen. Es ist fast unmöglich sich zu orientieren, denn der Wind, der über die Ebene zieht, verwischt fast sofort die eigenen Spuren im Schnee. Erst wenn man die ersten Eisformationen erreicht, hat man einen Orientierungspunkt, doch der Weg dahin ist anstrengend und ermüdend.
Entgegen aller Annahmen ist die Frostebene nicht tot, im Gegenteil. In manchen Gletscherspalten existiert ein besonderer Pilz, der im Dunkeln ein blaues Licht absondert und wunderschöne Formen auf das Eis zeichnet. Die fast geometrische Form dieser Linien läßt erneut auf Magie schließen, die diesen Pilz am Leben hält. Nachts kann man das feine blaue Leuchten unter dem Schnee sehen und so Gletscherspalten aus dem Weg gehen. Es leben auch urtümliche Tiere in der Frostebene, Kristallschwingen, Schneewinder und Caelarabestien. Allen darf man nur mit äußerster Vorsicht begegnen, denn sie sind besonders aggressiv, so als hüteten sie die Ebene vor allen Eindringlingen.
Ich warne jeden Abenteurer, durch die Ebene zu reisen, auch wenn es zunächst einfacher scheinen mag, sie zu durchqueren, als sie zu umgehen. Aber wenn man erst mal in ihr gefangen ist, kommt man so schnell nicht wieder hinaus. Die Kälte, die Anstrengung, die mit dem ständigen Einsinken in den Pulverschnee verbunden ist, der heulende Wind, der Hunger, wenn die letzten Vorräte aufgezehrt sind und die Kämpfe mit dem Frostgetier zehren auch am stärksten Helden. Es ist unvermeidlich daß man sich in der Ebene verirrt, oder daß die Sinne von Luftspiegelungen genarrt werden. Auch wenn noch so viele Gerüchte von verlorenen Caers, von Gold und Silber und von jenem legendären Tempel umherspuken- ich war dort und habe nur mit Hilfe der Passionen überlebt. Ich rate jedem, meidet diesen Ort, denn er ist nicht von dieser Welt.“