Die Steinerne Stadt

Laßt mich euch heute die seltsame und wunderliche Geschichte der Steinernen Stadt erzählen

Nachdem Gwelaidrins Federn aus dem Tiefen Schlund zurückgekehrt waren, zogen sie nach Süden, um das letzte Drachenschild zu finden.
Sie durchstreiften die Großen Ebenen, den Sumpf des Vergessens und schauten die furchtbaren Ufer des Brennenden Meeres und fochten gegen manch üble Bestie. Doch nirgends fanden sie ein Zeichen des Schildes und niemand, den sie fragten, konnte ihnen einen Hinweis geben. Da sprach Gaihir zu seinen Kameraden: „Hört Freunde, wenn wir bis morgen wenn die Sonne untergeht noch keine Spur gefunden haben, so müssen wir unversehrter Dinge zurückkehren, denn wir nähern uns immer mehr dem Rand der Welt, und dahinter liegt nichts mehr.“ Da nickten seine Gefährten, denn auch sie sahen keine Hoffnung mehr.
Doch am nächsten Morgen kamen sie zu einem kleinen Wald am Fuße eines weiten Gebirges und in diesem Hain lebte der alte Wungran, der war so alt wie die Eichen und so weise wie das weite Meer. Gaihir erzählte dem Alten von ihrer Suche und bat um seinen Rat, den wenn er ihnen nicht helfen konnte, wäre all ihre Mühe umsonst gewesen. Wungram hörte die Worte des Helden und sprach:
„Wahrlich, ich sehe eure Suche ist ehrenhaft. Darum will ich euch helfen. Erklimmt den Gipfel, über den des Nachts der hellste Stern in Floranuus Wagen leuchtet und folgt dem Silbernen Wasser in dessen tiefstes Tal. Dann werdet ihr eine Stadt aus Stein finden, in deren Herzen das Schild ruht, das ihr sucht.“
Und so taten die Helden. Drei Tage und drei Nächte lang eilten sie, ohne Rast, denn Eifer beflügelte ihre Schritte. Als die Sonne am vierten Tag ihr rotes Licht über den höchsten Gipfel warf, erreichten sie wahrhaftig die Tore der Steinernen Stadt.
Wahrlich ich sage euch, gar seltsam und unheimlich war ihr Anblick. Da lag die Stadt vor ihnen, mit Türmen und Erkern und feinen Häusern, die sich an eine hohe Stadtmauer schmiegten. Und in der Stadt fanden sie Namensgeber aller Rassen, in den Gasthäusern essend und trinkend, im Tempel betend, auf dem Markt handelnd.
Und Kinder waren da, die auf der Straße spielten, Alte, die sich auf den Bänken ausruhten, Frauen die Wäsche wuschen- doch alle waren zu Stein erstarrt mitten in der Bewegung. Ja, ihr habt richtig gehört. Alles dort war zu Stein geworden. Die Namensgeber, die Tiere, die Pflanzen, selbst das Wasser des Brunnens und der Wein in den Krügen. Da wurde den Helden unwohl, denn sie sahen, daß dies nur das Werk eines furchtbaren Dämons sein konnte.
Sie gingen zum größten Haus der Stadt, dem Palast des Herrschers, vorsichtig und bedacht, mit gezückten Waffen und Worten der Magie auf ihren Lippen. Tief drangen sie ein in die Hallen des Palastes und sie fanden einen Raum, in dem ein gewaltiger Schatz angehäuft worden war. Dort lagen Gold und Edelsteine und Geschmeide und magische Gegenstände. Und in der Mitte des Raumes lag der Drachenschhild auf einem Sockel. Seine Magie hatte verhindert, daß auch in diesem Raum sich alles in Stein verwandelt hätte.
Die Federn nahmen den Schild und suchten in der Stadt nach dem Dämon, der alles zu Stein werden ließ, doch sie fanden ihn nicht. Also beschlossen sie, die wunderliche Stadt zu verlassen, um ihre Queste für Gwelaidrin zu vollenden.

Doch davon hört ein anderes Mal.