Die Schriften der Roten Hand

Art: theranische Magie/Legendäres Artefakt

Die Geschichte von Damon Rote Hand ließt sich zunächst wie der Leidensweg all jener armen Seelen, die das Schicksal teilen, von Theranern überfallen und in die Sklaverei verkauft worden zu sein.
In den unwirtlichen Tagen vor Beginn der Plage häuften sich die Überfälle der Theraner auf Barsaive, denn das Imperium brauchte Arbeiter, die während der dunklen Zeit die mühevollen Diente in den Bergwerken, auf den Feldern und in den Steinbrüchen des Reiches verrichten sollten.
Damons Dorf lag in den weiten Steppen im Westen, die schon seit Menschengedenken von den Orks besiedelt worden waren. Eines Tages wurde es von Theranischen Sklavenhändlern angegriffen, deren überlegener militärischer Macht die Orks nichts entgegensetzen konnten. Damon, noch fast ein Kind, und seine Familie wurden nach Thera verschleppt und in einen Steinbruch verkauft. Weil seine Brüder voller Stolz waren und sich nicht brechen ließen, wurden sie getötet und weil seine Schwestern sich nicht den Theranern hingeben wollten, wurden sie verbrannt.
Damon sah zu, wie seine Familie niedergemetzelt wurde und zerbrach an den schrecklichen Bildern, die sich in seinen jungen Geist brannten. Jahrelang gab er sich seinem stumpfen Schicksal hin und arbeitete ohne Murren und Widerworte in dem Steinbruch. Als sein Körper von der schweren Arbeit zermürbt und verkrüppelt war, wurde er an einen theranischen Großgrundbesitzer verkauft und verrichtete fortan Feldarbeit.
Abend für Abend saß er mit den anderen Sklaven in ihren schäbigen Unterkünften und lauschte ihren Träumen nach Freiheit und den Gebeten an Lochost, er möge die Unterdrücker zerschmettern. Er sang mit ihnen die traurigen Lieder, die von der verlorenen Heimat erzählten und teilte die Geschichten, die aus Verzweiflung und Hoffnung geboren waren. Eines Nachts, als die Sklave zusammensaßen und sich gegenseitig Mut zusprachen, kam unvermutet ein theranischer Aufseher in die Baracke und als er ihre Worte hörte, ließ er sieben der Sklaven hinrichten. Fortan war es den Sklaven bei Todesstrafe verboten, ihre Lieder zu singen und ihre Geschichten zu erzählen. Erneut hatten ihnen die Theraner alles genommen, woran sie sich klammern konnten.
Damon sah die Verzweiflung in den Augen seiner Mitgefangenen und aus diesem Schmerz heraus beschloß er, jene Geschichten und Lieder aufzuzeichnen, damit sie niemals in Vergessenheit geraten würden. Nacht für Nacht schrieb er alles, was er gelernt hatte, in ein Buch nieder, dessen Seiten aus dem fauligen Stroh seines Nachtlagers gewoben waren. Weil er keine Tinte hatte, schrieb mit seinem eigenen Blut und weil jedes Blatt klein und kostbar war, bedeckte er es mit unzähligen, enggeschriebenen Runensätzen.
Im Laufe der Jahre wurde Damons Körper schwächer und schwächer und sein Haar war grau und schütter geworden. Schließlich taugte er nichts mehr zur Feldarbeit und wurde im Haus des theranischen Herren für die Hausarbeit eingesetzt. Weil man ihn für einen einfältigen Greis hielt, schenkte man ihm kaum Beachtung und so erwarb der Ork das Vertrauen des Theranischen Herren. Er ließ ihn unbeachtet seine privaten Gemächer und sein Studierzimmer putzen und so begann Damon, im Verborgenen die Magie der Theraner zu studieren. Er las die Bücher seines Herren und lernte, ihre geheimen magischen Schriften zu entziffern. Er sammelte alles Wissen, das er für wichtig hielt und das man vielleicht gegen die Peiniger einsetzen konnte und jedes Wort und jede Rune übertrug er sorgsam in sein Buch, das er immer bei sich trug.
Eines Tages wurde im Haus des Herren ein großes Fest gegeben. Die Gäste und der Hausherr ergaben sich maßlos den Genüssen und der Wein floß in Strömen. Tief in der Nacht torkelte der Theranische Herr vollkommen betrunken in seine Gemächer. Er war allein, denn auch seine Garde hatte an dem Fest teilgenommen. Da wußte Damon, daß seine Zeit gekommen war.
Er nahm all seinen Mut zusammen und erstach seinen Peiniger. Bevor er im Schutz der Nacht von dem Anwesen floh, schnitt er ein Stück Haut aus dem toten Körper des Theraners und fertigte später daraus den Einband für seine Schriftensammlung.
Der tapfere Ork blieb noch einige Zeit in Thera. Er versteckte sich und weil sein Alter und harmloses Auftreten ihm einen perfekten Schutz boten, gelang es ihm noch etliche andere theranische Gelehrte und Magier auszuspionieren. Man sagt sogar, daß er drei Nächte unbemerkt in der Ewigen Bibliothek verbrachte und aus dem unerschöpflichen Wissensschatz kopierte, was nur möglich war. Und wann immer sich die Gelegenheit bot, schlich er sich in die Quartiere der Sklaven und Unterdrückten und las ihnen aus seinem Buch vor, erzählte ihnen die Geschichten, die er während seiner Gefangenschaft aufgezeichnet hatte und lehrte sie die Lieder der Freiheit. Doch schließlich kam die Plage immer näher und der Tag rückte näher, an dem sich Thera von der Welt in den Schutz der magischen Kuppel zurückziehen würde. Zu dieser Zeit machte sich Damon auf den Weg nach Hause, denn er sehnte sich nach nichts mehr als endlich wieder die Heimaterde unter seinen Füßen zu spüren. Er war des Kämpfens müde und doch wollte er sein Buch nach Cara Fahd bringen, an die Kinder der Freiheit, damit sein Vermächtnis in den richtigen Händen lag.
Nach einer gefahrvollen Seereise in einem winzigen Segelboot erreichte Damon die Ufer de Arasmeers. Doch das Schicksal war nicht gnädig mit dem armen Mann, denn kaum hatte er sein Boot ans Ufer gezogen, fiel ihn ein umherstreifendes Dämonenwesen an und tötete ihn, ohne daß er je seine Heimat wiedergesehen hätte.
Das gleiche Schicksal fügte es aber, daß eine Gruppe von Adepten, die letzten, die noch durch das Land zogen, Damons Aufzeichnungen fanden und mit sich in die Sicherheit einer Zitadelle nahmen.

Nach Ende der Plage gelang das Schriftwerk in die Hände des Magiers Periander, der sich dem Kampf gegen die Theraner verschrieben hatte. Doch der Elf wurde wenig später erhängt aufgefunden, die Zeichen deuteten auf das Werk theranischer Sklavenhändler. Daraufhin blieb das Buch einige Jahre verschollen, bis es plötzlich in den Händen eines tödlich verletzten Adepten auftauchte, der sich mit letzter Kraft an die Stadtgrenzen Märkteburgs geschleppt hatte. Kurz bevor er starb, vertraute er es dem Kaufmann Laros an. Der konnte damit nicht viel anfangen, aber die Umstände, unter denen er die Schriften bekommen hatten, sowie ihre seltsame Anmutung, machten ihn nachdenklich. Anstelle es zu verkaufen brachte Laros das Buch in die Große Bibliothek von Throal. Meister Merrox zeigte sich hocherfreut und erkannte, welchen Schatz Laros ihm anvertraute. Das Werk blieb genau sieben Tage im Besitz der Großen Bibliothek. Dann verschwand es unter mysteriösen Umständen aus dem mehrfach gesicherten Schrank in meister Merrox' Studierzimmer. Seither blieb es verschwunden. Gerüchte sagen, daß angeblich in Thera eine Art Kopfgeld auf die Beschaffung des Buches ausgesetzt wurde.
Viele Questoren des Lochost oder orkische Befreier haben es sich zur Aufgabe gemacht, das verschollene Bucht zu finden, denn es ist zweifelsohne eine der wertvollsten Niederschriften, die je über Thera und die Sklaverei verfaßt wurden. Es enthält zahlreiche Legenden und Geschichten, Lieder und Gebete, die falls das Buch in falsche Hände geraten würde, für immer verloren wären. Nicht zu unterschätzen sind auch die mystischen Geheimnisse, die Damon aus der Bibliothek seines theranischen Herren zusammentragen konnte- und wenn sich das Gerücht bezüglich Damons Aufenthalt in der Ewigen Bibliothek zu Thera als wahr entpuppt könnten sich im Buch der Roten Hand unendlich kostbare Geheimnisse verbergen.

Das Grimoire enthält folgende Sprüche: