Der Kämpfende König

In den fernen Tagen, als die Plage nur eine dunkle Vorahnung in den Herzen der Namensgeber war, herrschte im alten Königreich von Landis der König Beorgen. Er war ein großer und stolzer Mann, ein Kämpfer, leicht erzürnt über schnelle und leichtfertige Worte. Darum lag Landis oft in Fehde mit einem Nachbarreich und Krieg und Kampf waren an der Tagesordnung. Die Männer und Frauen von Landis waren ihrem König treu ergeben, obwohl er ihnen viel abverlangte, sowohl an Arbeit als auch an Menschenleben.
So gingen viele Sommer ins Land, und es kehrte kein Friede ein ins unstete Herz von König Beorgen. Mit jedem Jahr, das verstrich kehrten weniger Männer und Frauen von den Schlachtfeldern zurück in ihre Dörfer und mehr und mehr Felder und Äcker blieben unbestellt. Da erhob sich ein großes Wehklagen unter den Menschen, denn sie sahen, daß ihr stolzes Land den Zoll des ewigen Kampfes bald nicht mehr würde zahlen können. Doch keiner wagte, dem König unter die Augen zu treten, mit der Bitte um Frieden, denn sie fürchteten seinen flammenden Zorn.
Nun hatte der König aber einen treuen Freund, Uthar, der Erste seiner Ritter. Er war ein großer Krieger, der schon so manche Schlacht an Beorgens Seite gefochten hatte. Beide hatten sich schon unzählige Male gegenseitig das Leben gerettet.
Eines Nachts ging Uthar durch die Straßen von Landis und hörte allerorts das Klagen der Männer und Frauen, die ihre Kinder, ihre Brüder und Schwestern, im Krieg verloren hatten. Ihr Leid berührte seine Seele tief. Er kehrte in den Palast zurück und eilte zu Beorgen und bat ihn, um ihrer Freundschaft willen, dem Kämpfen ein Ende zu machen. Doch als er die Worte seines Freundes hörte, da entbrannte in Beorgen wütender Zorn und er nannte ihn einen Verräter. Dann verbannte er Uthar von seinem Hof, auf daß er ihm nie wieder unter die Augen käme. Uthar ging, doch sein Herz war schwer von Gram und Trauer um den König und sein Volk.
Eines Tages kam es wieder zu einer Schlacht vor Beorgens Burg. Der König hatte ein gewaltiges Heer aufstellen lassen, größer als jedes andere zuvor, aber das Heer des Feindes war ihm an Stärke ebenbürtig. Drei Tage lang wogte die Schlacht, und hunderte starben. Der Boden war getränkt von ihrem Blut und die Winde trugen die Todesschreie der Fallenden in alle Welt. Schließlich obsiegte Beorgens Heer und alle Feinde waren getötet bis auf einen. Er war der Anführer des feindlichen Heeres, von Kopf bis Fuß in eine stählerne Rüstung gehüllt. Der Fremde trat vor und forderte Beorgen zum Zweikampf.
Der Kampf war lang und hart, und jedermann sah, daß beide Krieger einander ebenbürtig waren. Doch das Schicksal wollte es, daß Beorgen eine Lücke im Panzer des Gegners sah und er schlug zu und rammte sein Schwert bis ans Schaft in den Körper des Anderen. Er fiel zu Boden und starb und Beorgen triumphierte und jumbelte lauthals. Doch er wollte wissen, wer der Krieger war, der ihm so lange standhalten konnte und beugte sich herunter, um den Helm des Gefallenen zu öffnen. Da sah er das Gesicht seines Freundes Uthar. Als er in die toten Augen seines Kameraden blickte befiehl ihn großer Schmerz und Trauer und Verzweiflung, denn er sah, welch großes Opfer der Freund für ihn gebracht hatte. Erst jetzt konnte er den Schmerz des Verlustes empfinden und er sah, welch Unheil er über sich und sein Land gebracht hatte.
Da zerbrach er sein Schwert und setzte dem Krieg ein Ende.