Die Expedition nach Caer Jistriss


Dieses Tagebuch erreichte uns durch die Hände des jungesn Trollkriegers Talon,
der es an einem Fluß in den Tylon-Bergen fand.
Niemand weiß, wie es dort hingelangt ist, doch es war ein einem schlechten
Zustand und nur schwer zu entziffern, da sämtliche Seiten mit dunkelbraunen Flecken, offenbar getrocknetem Blut, überzogen waren.
Das Schicksal Wendels, der oft im Namen des Königs Expeditionen unternahm,
scheint hiermit geklärt zu sein. Möge seine und die Seelen seiner Begleiter Frieden finden...

- Nividia, Scholarin der Großen Bibliothek -

Expedition nach Caers Jistriss, schriftführender Adept: Valnik

Mitglieder:
Wendel, der Leiter der Expedition,
Oppia, die Elementaristin,
Tirion, unser Führer,
Karras,
Juri,
Farrel,
Guhlnik, Abenteuer
Zor, Abenteuer
Fallia, Abenteuer
und meine Wenigkeit, Valnik, der Schreiber.

Tag 1
Wir sind heute in Richtung der Tylon-Berge aufgebrochen. Außer mir und Wendel, unserem Anführer, sind noch acht weitere Gefährten Teil dieser Expedition, darunter drei Abenteurer aus der Heimat, Bethabal. Wir werden vorraussichtlich acht bis neun Tage brauchen, bis wir den Bergsee erreicht haben, in dessen Nähe Kaer Jistriss liegen soll. Mögen die Passionen mit uns sein.

Tag 2
Wir kommen gut voran, wenn sich auch das Wetter verschlechtert. Oppia, die Elementaristin, schätzt, daß wir einem Sturm entgegenreisen. Heute nachmittag haben wir das Dorf Fronheim passiert; dies ist die letzte größere Siedlung, die vor den Ausläufern der Tylon-Berge liegt. Von nun an liegt nur unerforschte Wildnis vor uns. Die Bewohner warnen uns vor Luftpiraten.

Tag 4
Tatsächlich sind wir in einen fürchterlichen Sturm geraten und haben die Nacht in einer Höhle verbracht. Das Wetter ist noch immer schlecht, doch man kann vorankommen. Die Ausrüstung ist aber durchnäßt und scheint Tonnen zu wiegen. Karras rutschte auf dem schlammigen Grund aus und stürzte einen Hang hinunter. Glücklicherweise hat er sich dabei nur das Bein verstaucht, es hätte schlimmer kommen können.

Tag 5
Die Gipfel der Tylonberge ragen imposant vor uns in die Höhe. Man hat den Eindruck, daß sie ganz nahe sind, aber wir werden noch gut zwei Tage benötigen, um in die höheren Lagen zu gelangen. Wir suchen uns unseren Pfad durch zerklüftete Schluchten. Das Gelände steigt immer weiter an. Am Nachmittag passierten wir ein großes Geröllfeld. Ich bin dankbar, daß wir einen solch erfahrenen Fährtensucher wie Tirion bei uns haben. Er fand mit untrüglicher Sicherheit einen Weg über das lose Gestein; man mag sich nicht ausmalen, was geschehen könnte, wenn man einen falschen Schritt tut und sich eine Gerölllawine löst...

Tag 7
Etwas furchtbares ist geschehen. In der Nacht ist unser Lager von wilden Bestien angegriffen worden, hundeähnlichen Kreaturen mit gewaltigen Klauen und einem reißzahngespicktem Gebiß. Ihr Fell war aschgrau mit einem breiten weißen Streifen auf dem Rücken. Der Schwanz war ähnlich dem eines Löwen, nur anstelle der Quaste hatten diese Wesen Dornenähnliche Spitzen am Schwanzende, mit denen sie nach uns schlugen. Juri und Farrel, die Wache hielten, wurden völlig überrascht von dem etwa zehn Tiere messendem Rudel angegriffen und niedergemacht. Ihre entsetzlichen Schreie haben uns geweckt und mit Müh und Not konnten wir die Kreaturen vertreiben. Wir bestatteten die Kameraden nahe des Lagerplatzes. Mögen sich die Passionen ihrer annehmen...

Tag 8
Da wir nur noch zu acht sind und wir die Ausrüstung auf die Überlebenden verteilen mußten, kommen wir nur noch langsam voran. Oppia wurde schwer verletzt und kann sich kaum auf den Beinen halten. Der Aufstieg wird immer schwieriger, aber wenigstens halten uns die Bäume den eisigen Wind etwas vom Leib.

Tag 9
Die Passionen haben uns zur Hütte zweier Pelzjäger geführt, die uns Unterschlupf und eine warme Nacht an ihrem Feuer gewährten. Die beiden haben sich bereit erklärt, Oppia bei sich aufzunehmen uns zu pflegen, da sich ihr Zustand verschlechtert hat.

Tag 10
Endlich haben wir unser Ziel erreicht, den Bergsee, von dem in der Legende die Rede war. Wir machen uns daran, die Gegend systematisch nach dem Eingang zu durchsuchen, irren aber lange Zeit im Dunkeln herum. Durch einen Zufall bemerkt Guhlnik einen Felsen im Wasser, auf dem Runen eingeritzt sind. Er steigt in das eiskalte Wasser und taucht ab. Tatsächlich wird er fündig; der Eingang des Kaers liegt unter Wasser. Wir verpacken unsere Ausrüstung so gut es geht wasserdicht und tauchen ebenfalls unter. Dort ist eine Öffnung im Fels, an die ein Tunnel anschließt, etwa zehn Meter lang. Der Tunnel führt in eine halb überflutete Höhle, von der ein weiterer gang abgeht. Wir folgen dem Gang und stoßen auf ein weitläufiges Höhlenlabyrinth. Wir markieren unseren Weg mit Kreide.

Tag 11
Es ist schwer, in der ständigen Dunkelheit dem natürlichen Tagesrhythmus zu folgen; wir sind tief i den Berg eingedrungen. Es gibt zahlreiche Höhlen, offenbar von einem unterirdischen Fluß ausgehöhlt. Wir sind öfter auf Schwärme von Höhlenfledermäusen gestoßen, offenbar gibt es auch einen oder gar mehrere oberirdische Zugänge zu dem Labyrinth. Wir hoffen, den Eingang zum Kaer bald zu finden, da uns allmählich Fackeln und Öl ausgehen, und allein mit dem Lichtkristall von Wendel kommen wir nicht weit.

Guhlnik ist tot. Wir liefen entlang eines Felsspaltes, einer natürlichen Schlucht, als plötzlich ein Schwarm Höhlenfledermäuse über uns herfiel. Die Biester legten sich wie eine Wolke um den armen Guhlnik, und er stolperte den Felsspalt hinunter. Sein Leichnam liegt nun irgendwo dort unten, wir müssen ihn liegenlassen, da uns die Seile für eine Bergung fehlen. Vielleicht finden wir im Kaer einige Taue, um Guhlniks Körper hinaufzuheben. Seine beiden Gefährten Zor und Fallia sind betrübt und ihre Stimmung breitet sich auch auf uns aus. Wendel setzt der Expedition ein Ultimatum; wenn wir den Eingang nicht binnen der nächsten zwölf Stunden finden, werden wir umkehren.

Tag 12
Wir haben den Eingang gefunden, doch um welchen Preis....
Der Eingang liegt in einer großen Höhle, zu der ein einzelner, schmaler Gang führt. Wir liefen wie immer hintereinander. Wendel, der vornweg ging, trat plötzlich auf einen losen Stein und- bei den Passionen- plötzlich brachen riesige Steinbrocken aus der Decke, und begruben drei der Gefährten unter sich. Der Gang ist verschüttet, der Rückweg blockiert. Uns Überlebenden, Fallia, Wendel, Tirion und mir, bleibt nur noch die Flucht nach vorne, in das Kaer.
Der Eingang ist gewaltig; das Tor hat mächtige Portale aus Stein, übersäht mit Schutzrunen. Rechts und links des Tores stehen zwei gewaltige Statuen hoher Kunstfertigkeit. Wendel macht sich daran, das Tor zu untersuchen und eine Möglichkeit der Öffnung zu ergründen.

Hier enden die Eintragungen, doch auf der letzten Seite fand sich eine 'Eintragung', scheinbar mit blutigen Fingern geschrieben. Die Worte waren extrem schwer zu entziffern, aber mehrere Scholaren kamen zu dem Schluß, daß die Zeichen den Satz "Nicht die Statuen-Tod" formten...

- Nividia, Scholarin der Großen Bibliothek -