Von den Netzwürmern

 

- Aus der Feder von Jokhara, dem Troll -

Es war am siebten Tag unserer Reise durch den Servos. Die drückende Hitze, die Feuchtigkeit, die sich tonnenschwer an unsere Ausrüstung klammerte und der ständige Kampf mit dem dichten Gestrüpp zehrten an unseren Kräften. Kaum ein Sonnenstrahl drang durch das dichte Blätterdach zu uns und alle Laute waren seltsam gedämpft. Die Stimmung war gedrückt und selbst Esraing, dem Troubadour, hatte es die Stimme verschlagen, so daß neben dem Geschrei der Vögel hoch oben im Blätterdach nur unser Schnauben und Keuchen die Stille des Dschungels durchdrang.
Nashrini war schon die ganzen letzten Tage schlecht gelaunt. Das dichte Urwaldgestrüpp wirkte auf sie, die in der grenzenlosen Freiheit der weiten Ebenen aufgewachsen war, bedrohlich. Bei jeder Rast nörgelte sie ununterbrochen und versuchte immer wieder, uns zum umkehren zu bewegen. Es war nur eine Frage, bis Morba der Hals platzte und er sie anschrie, endlich die Klappe zu halten. Wie gewohnt, beschloß die Kleine wieder einmal, uns für immer und ewig zu verlassen und schwirrte mit hochrotem Kopf davon. Esraing rief ihr nach, vorsichtig zu sein, denn bei den Passionen, wir alle wußten, daß der Ort gefährlich war, besonders für einen Einzelnen. Natürlich hörte sie nicht auf ihn. Windlinge haben eben ihren eigenen Kopf.
Ich kannte Nashrini länger als alle anderen und wußte, daß sie sich nicht allzuweit von uns entfernen würde; deshalb stimmte ich Morba zu, weiterzugehen. Allerdings bemühte ich mich, beim Zerhacken des Buschwerks genug Lärm zu machen, damit die Kleine uns auf jeden Fall nicht verlieren würde.
Etwa eine Stunde später ertönte aus dem Blätterdach über uns ein spitzer Schrei, gefolgt von dem Geräusch knackender Äste. Augenblicke später fiel Nashrini vor meine Füße. Ich hätte sie nicht erkannt, hätte sie nicht geschrien, wie am Spieß. Ein seltsames Wesen, daß ich zunächst für eine Schlingpflanze hielt, hatte sich um ihren Körper gewickelt und schien sie zu würgen. Ihr Kopf war gänzlich in eine dunkelrote Membran gehüllt und kleine Krallen bohrten sich in ihren Hals. Esraing versuchte vorsichtig, das Wesen von ihr zu entfernen; dies schien dem Windling aber noch mehr Schmerzen zu verursachen, also durchtrennte ich es kurzerhand unterhalb der Stelle, wo die rote Membran in den grünen Wurmleib überging. Nashrini japste und schien dem Ersticken nahe, doch sie lebte. Das Wesen hatte ihr außerdem den linken Arm gebrochen. Später erzählte sie uns, daß sie oben im sonnigeren Teil der Baumkronen auf eine Ansammlung wunderschöner Blumen gestoßen sei, und sie an einer gerochen hätte. Plötzlich sei die Blume lebendig geworden und ihr ins Gesicht gesprungen. Nach diesem Vorfall blieb Nashrini bei uns und verbrachte den Rest der Reise sicher geschützt in meinem Rucksack.“

GES: 8 STÄ: 7 ZÄH: 4
WAH: 8 WIL: 4 CHA: 5

Initiative: 8 Körperliche Widerstandskraft: 14/8*
Angriffszahl: 1 Magische Widerstandskraft: 8
Angriff: 8 Soziale Widerstandskraft: 6
Schaden: Krallen 6    
Würgegriff 8 Rüstung: 2
Anzahl der Zauber: NA Mystische Rüstung: 2
Spruchzauberei: NA Niederschlag: NA
Wirkung: NA Erholungsproben: 1
Todesschwelle: 20 Laufleistung im Kampf: 75*
Verwundungsschwelle: 5 Normale Laufleistung: 150*
Bewußtlosigkeitsschwelle: NA Ausrüstung: keine
Legendenpunkte: 75 Beute: **


*springend
**Der bunte Halskragen ist 2W6 Silberstücke und als Trophäe
Legendenpunkte wert. Er kann wie Leder verarbeitet werden.

Kommentar:
Netzwürmer sind ausschließlich in den warmen Dschungeln des Landes anzutreffen. Allein sind sie eigentlich nicht gefährlich, da sie aber meist in Rudeln von bis zu dreißig Tieren auftreten, können sie für eine Abenteurergruppe schon unangenehm werden.
Netzwürmer sind Meister der Tarnung. Sie bestehen aus einem schlangenförmigen Rumpf, der Farbe und Maserung ähnlich einer Baumliane hat. Der Kopfteil besteht aus einem ledrigen, buntgefärbten Hautkragen, dessen Enden mit gebogenen Krallen gesäumt sind. Die Wesen besitzen keine Augen und kein ersichtlichen Kopf, allerdings sitzt in der Mitte des Kragens ein mit mehreren spitzen Zahnreihen versehenes Maul.
Die Netzwürmer hängen normalerweise kopfüber im unteren Geäst von Dschungelbäumen. Die Krallen am Hautkragen sind eingeklappt, so daß das ganze Wesen aussieht wie eine exotische Blume. Zu alledem sondert es einen süßen, schweren Duft ab, der normalerweise kleine Insekten und Nagetiere in die Nähe des Maules lockt. Die Netzwürmer können sich über kurze Distanzen blitzschnell durch die Luft schleudern. Sie tun dies normalerweise nur, wenn ihr Revier von einem großen Lebewesen bedroht wird. Bis zu zehn Netzwürmer springen dann den Eindringling an und graben ihre Krallen in seine Haut. Mit ihren erstaunlich kräftigen Rumpf umklammern sie alles, was sich bewegt und drücken zu. Wenn sich ein Netzwurm um Kopf und Hals eines Opfers legt, kann er schnell ersticken.
Das Opfer erleidet in der ersten Kampfrunde Schaden der Stufe 6 durch die Krallen, die sich in sein Fleisch bohren. Wenn das Opfer die Würmer entfernen will, legt es eine Stärkeprobe gegen die Stärkestufe des Wurms ab, erleidet aber diesen Schaden noch einmal, wenn er erfolgreich ist.
Der Würgeschaden, der durch die Würmer verursacht wird, beträgt Stufe 8 pro Runde.